Das Schild von und für Blankenstein

Das Schild von Blankenstein

Sie haben ein Emailleschild erstanden oder interessieren sich für das Schild, einem Schild, das dem Zeitgeist der Blankensteiner Bürger in den Jahren um 1880 bis 1910 entsprach und das offizielle Wappen der damaligen Stadt Blankenstein beinhaltet.

Um diesen damaligen Zeitgeist zu verstehen, muss man wissen, dass nach der Gründung der Preußischen Provinz Westphalen im Jahre 1815 beim Wiener Kongress im Rahmen der beginnenden Industrialisierung auch in Blankenstein durch Bergbau, Eisenverarbeitung, Webereien und Seilerei Arbeitsplätze entstanden. Der Freizeitbereich der arbeitenden Bevölkerung war damals nur auf das Wochenende beschränkt und bekam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen immer höheren Stellenwert bis hin zu einem Freizeit- und Erlebnismarkt. Blankenstein wurde zum beliebten Ausflugsziel.

Ein Vorreiter aus unserer Region in dieser Industrialisierungsphase war Carl Friedrich Gethmann (1777-1865), Bürgermeister von Blankenstein und Erbauer des Gethmannschen Gartens, den er zur Erholung und zur Freude an der Natur für die Bevölkerung öffnete und diese Parkanlage jederzeit für Jedermann begehbar machte.

Blankenstein und Preußen

Gehtmann konnte am 19.10.1833 den Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der auf einer Reise durch die Westprovinzen des Preußischen Königreiches war, dazu bewegen, die Stadt Blankenstein und den Gethmannschen Garten zu besuchen. Dieses Ereignis wurde von den Blankensteiner Bürgern mit großem Jubel gefeiert und machte die Bürger sehr stolz. Carl Friedrich Gethmann war Tuchhändler, Schiffsreeder und Bergwerksbesitzer. Er bekam auf Grund seiner Verdienste um Blankenstein und seiner Förderung von Wirtschaft und Handel vom König den Ehrentitel, „Königlich Preußischer Commerzienrat“, verliehen.

In Blankenstein war man damals Königlich Preußisch patriotisch.

Aber es tat sich auch sonst noch einiges in dem Städtchen Blankenstein. 1860 kaufte Gustav vom Stein das Burggelände und errichtet dort eine Fabrik und eine Wirtsschänke. Der Gastronomische Ausbau der Burg wurde später von seinem Sohn Gustav vom Stein Jr. weiter vorangetrieben und erreichte in der Zeit von 1895 bis 1910 seinen vorläufigen Höhepunkt.

Gastronomie und Tourismus in Blankenstein

Blankenstein wurde zum touristischen Magnet im Ruhrgebiet und an Wochenenden kamen Tausende von Besucher in den Ort und zur Burg mit seinen vielen Gaststätten, Biergärten und Lokalen. Es wurden Konzerte gegeben und zu Pfingsten 1896 wurden z.B. an zwei Tagen über 5400 Eintrittskarten allein auf der Burg verkauft.

Damals war es üblich von Ausflügen Postkarten zu verschicken. Vom Ort, der Burg und dem Gethmannschen Garten gab es über hundert verschiedene Postkartenmotive. Das Postamt im Ort hatte an Wochenende geöffnet und es wurden an manchen Tagen    vier- bis fünftausend Postkarten gestempelt.

Aus dieser Zeit stammen die ersten Blech-und Holzschilder, die den heiligen Sebastian mit dem Schild und dem J-ähnlichen Symbol zeigen und Blankenstein als Königlich Preußischen Ort in der Provinz Westphalen titulierten.

Mit Stolz wurden die Schilder von einigen Bürgern an ihren Hauswänden angebracht. Es waren meist handbemalte Blech- oder Holzschilder, die einige Fassaden der Häuser zierten.

Bis zur Eingemeindung der Stadt Blankenstein nach Hattingen 1970 gab es auch ein Holzschild in dieser Art im Eingangsbereich der Volksschule, der jetzigen Grundschule Alt- Blankenstein. Leider ist dieses Holzschild nicht mehr auffindbar.

Entstehung des Wappens

Zur Entstehung des Blankensteiner Wappens gibt es folgende Überlieferung, hier in Kurzform:

Das älteste überlieferte Siegel der Freiheit zu Blankenstein zeigte schon 1617 den heiligen Sebastian mit einem Schild auf dem ein J oder J-ähnliches Symbol abgebildet war. Der heilige Sebastian lebte als bekennender Christ 283 n. Chr. in Mailand und später in Rom, als römischer Soldatenhauptmann. In der Zeit der Christenverfolgung schützte er viele Christen und wurde deshalb in Rom zum Tode verurteilt und von Bogenschützen vermeintlich getötet. Nachdem der Körper leblos am Boden lag, wollte die Christin Irene den Leichnam bestatten. Sie bemerkte, dass Sebastian noch lebte. Irene nahm den schwer Verwundeten mit in ihr Haus und pflegte ihn gesund. Nach der Gesundung trat Sebastian wieder öffentlich gegen die Christenverfolgung ein und wurde noch mal zum Tode verurteilt und getötet.

Auch das Blankensteiner Stadtsiegel von 1669, Sigillum Blanckensteinense zeigt ebenfalls den heiligen Sebastian mit einem Schild vor sich mit dem J-Symbol. Seit dieser Zeit und vermutlich schon eher, gilt der heilige Sebastian auch als der Schutzpatron der Blankensteiner.

Was bedeutet nun das Wappenschild, das der heilige Sebastian vor sich hält mit dem J-ähnlichen Zeichen. Es könnte der Buchstabe J sein, aber auch der Abzug einer Armbrust.

Ein Rätsel bis heute

Einige Historiker der letzten Jahre interpretieren dieses J als den Abzug einer Armbrust. Vielleicht auch, weil in älteren Abbildungen der heilige Sebastian oft mit sehr kurzen Pfeilen zu sehen war, so wie man sie in einer Armbrust verwendete.

Dagegen spräche die Tatsache, dass in den meisten Wappendarstellungen der damaligen Zeit in der Regel komplette Waffen, wie Schwerter, Hellebarden, Kanonen oder auch Pfeil und Bogen als Ganzes dargestellt wurden und nicht nur ein Teilbereich einer Waffe.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass es sich tatsächlich um den Buchstaben J handelt. Das J als Anfangsbuchstabe von Jesus, der auch im Mittelalter bei gottesfürchtigen Menschen heil bringen sollte. Dies wäre eine weitere Erklärung mit einer starken Symbolkraft.

Geklärt ist das bis heute nicht. Es bleibt also ein Rätsel, wie vieles, das mit der Historie Blankensteins zu tun hat.

Hier vorstehend das Siegel und ein Wappen der Stadt Blankenstein aus dem Jahre 1910 mit einem Zierbanner und der Aufschrift, „Auf Gott wir vertrauen“ und beim Wappen, mit der Jahreszahl 1355, einem Jahr, an der Graf Engelbert von der Mark die Freiheitsrechte (Vorläufer zu den Stadtrechten) für die Freiheit zu Blankenstein bestätigte.

Auch die Blankensteiner Fahne zeigt den heilige Sebastian mit Wappenschild mit rot / weißem Hintergrund, also den Farben der Grafschaft Mark. Gebräuchlich waren diese Fahnen aber erst in der Neuzeit ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Damals wurde die Burgruine in neoromantischem Stiel wieder aufgebaut und viele Blankensteiner zeigten mit Stolz den Ort, der wie schon erwähnt um die Jahrhundertwende vor dem ersten Weltkrieg zur touristischen Attraktion an Wochenenden im ganzen Ruhrgebiet wurde.

Text: Henning Sandmann

Das Schild von Blankenstein heute

Die Bürgergesellschaft Blankenstein hat dieses Schild zum 25. Blankensteiner Weihnachtsmarkt 2018 wieder „aufleben“ lassen, um auch die Identifikation der Neu- und Altblankensteiner mit ihrem historischen Stadtteil zu fördern oder nahe zu bringen.

Diese Information mit dem Rückblick auf einen kleinen Ausschnitt der Blankensteiner Geschichte und der Erklärung des Schildes, soll ihnen einen Einblick in den Zeitgeist der Blankensteiner vor über 100 Jahre vermitteln.

Auch heute leben wir gerne in Blankenstein, im Hier und Jetzt, aber nicht nostalgisch verklärt.

Wir hoffen, sie haben Freude an dem historischen Emailleschild und helfen mit, unseren Ort auch für die Zukunft positiv zu gestalten.

BÜRGERGESELLSCHAFT BLANKENSTEIN

Friedrich Wilhelm Wengeler

Quellen: Archiv Bürgergesellschaft Blankenstein, Ellen und Karl-Heinz Breitenbach -Blankenstein an der Ruhr- 2001, Wefelscheid / Weiß – Alt Blankenstein, Fest und Jahrbuch 1926 / 27, Foto:1 Bildarchiv H.Sandmann Foto:2/3 Bildarchiv  G.Horn

Weitere Informationen erhalten Sie bei Henning Sandmann unter 0178 8233260